Virgo Galaxienhaufen

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Aufnahmedaten

Bilderanzahl: 116

Belichtungsdauer pro Bild: 300sec

ISO 800

Aufnahmedatum: mehrere Nächte im Februar 2021

Kamera: Canon 6da (astromodifiziert)

Teleskop: Williams Optic Redcat

Filter: IDAS LPS D2

Montierung: Skywatcher HEQ5 Pro

Dieses Bild ist auf dem ersten Blick unauffällig aber auf dem zweiten ist es atemberaubend. Warum? Ich versuche das im weiteren zu verdeutlichen. Es soll aber auch die Grenzen meines eigenen Equipments und meiner aktuellen Fähigkeiten aufweisen.

Es handelt sich hierbei um eine Art Adition (Stacking Wikipedia) der 116 Einzelbilder (ein Einzelbild findet ihr unten). Es sind knapp 10h Licht, die hier zu sehen sind. Neben den deutlich sichtbaren Galaxien verbergen sich viele „kleinere“ Galaxien in dem Bild. Es sind difuse Flecken, die nicht so klar abgetrennt vom Hintergrund sind wie es bei Sternen der Fall ist.

Virgo Galaxienhaufen

Und hier das Bild mit den Anmerkungen:

Das Bild zeigt einen Teil des Virgo Galaxienhaufens (Wikipedia). Er hat sein Namen von dem Sternbild Jungfrau in dem er liegt. Sein Zentrum liegt ca. 54Mio Lichtjahre von der Milchstraße entfernt. Der Virgo Galaxienhaufen bildet das Zentrum des Virgo Superhaufens (Wikipedia) zu der auch unsere Lokale Gruppe (Wikipedia mit der Milchstraße und der Andromedagalaxie) gehört.

Man geht davon aus, dass sich mindestens 1300 Galaxien in dem Virgo Galaxienhaufen sammeln (aber wahrscheinlich sind es noch deutlich mehr)

Markarjansche Kette

Die Markarjanische Kette (Wikipedia) ist eine visuelle Ansammlung von Galaxien.

M 87

In der Mitte sieht man einen sehr hellen Punkt. Es handelt sich hierbei nicht um einen Stern sondern um eine Galaxie. Diese Galaxie hat den Namen M87 (Der Buchstabe M zeigt, dass es sich um ein Objekt handelt, das ein Astronom mit dem Namen Charles Messier (Wikipedia) entdeckt hat und sich in dem Messier-Katalog wiederfindet (Wikipedia))

M87 (Wikipedia) ist 55 Mio Lichtjahre von uns entfernt und liegt in dem Virgo Galaxienhaufen … Entfernungen in diesem Maßstab sind fernab meiner Vorstellungskraft. In diesem Video (Youtube) werden die Maßstäbe aber sehr gut erklärt. Bei M87 handelt es sich um eine elliptische Galaxie (Wikipedia). Sie hat also keine Arme wie sie unsere Milchstraße oder die Andromeda Galaxie hat, sie hat eher eine kugelförmige Gestalt. Sie ist die größte Galaxie in dem Virgo Galaxienhaufen.

M 100

Bei der M 100 (Wikipedia)handelt es sich um eine Balkengalaxie (wie es unsere Milchstraße wie auch Andromeda es sind), die im Sternbild Haar der Berenike liegt. Sie gehört zum Virgo Galexienhaufen. Mit einer Neigung um 60% bietet sie ein sehr guten Blick auf eine Galaxie und dient als Forschungsobjekt für viele Fragen. Mit dem Hubbleteleskop war M 100 zum Beispiel die erste Galaxie, in der Einzelstern aufgelöst wurden.

The Eyes

In der Markarjanschen Kette (Wikipedia) finden sich zwei Galaxien (NGC 4435 und NGC 4438), die im englischen Eyes Galaxies (Wikipedia) genannt werden. Hierbei handelt es sich um zwei Galaxien, die sich in einer Interaktion befinden. Schaut man genau hin, sieht man den feinen „Schweif“, der beide „verbindet“

The Siamese Twins

Einzelbild

Bei dem Bild handelt es sich um ein Einzelbild mit einer Belichtungszeit von 300sec. Es sind einige Strukturen schon sichtbar; die Details werden es aber erst, wenn die 116 Einzelbilder übereinander gelegt werden. Die milchigblaue Farbe ergibt sich aus der Tatsache, dass die Kamera astromodifiziert wurde (Entfernung des IR-Sperrfilters; eine detaillierte Erklärung findet ihr hier; bei dem habe ich im Übrigen auch meine Kamera umbauen lassen) und zudem ein Filter im Strahlengang des Teleskops montiert war.

Kurze Erklärung zu dem Stacking/“Übereinanderlegen“:

Jede noch so gute Montierung wird bei einer Belichtungszeit von mehreren Minuten bzw. Stunden in das Problem laufen, dass die Nachführung nicht mehr sauber funktioniert. Des Weiteren steigt das Risiko mit der Länge der Belichtungszeit, dass sich Sternschnuppen, Satellitenspuren etc. in das Bild „einschleichen“. Diese lassen sich im Nachhinein bei einem einzelnen Bild kaum entfernen. Darüberhinaus stellen sich weitere Probleme bei extrem langzeitbelichteten Bildern ein.

Anders ist es, wenn man viele Einzelbilder von dem Objekt macht. Die Belichtungszeit des einzelnen Bildes wird zwar deutlich verkürzt, aber das Risiko o.g. Spuren in den Bildern zu haben wird auf die Anzahl der Bilder verteilt und mit der Stackingsoftware sogar entfernt. Und am Ende ergeben viele Einzelbilder mit einer kürzeren Belichtungszeit ein Ergebnis mit einer sehr langen Belichtungszeit

In ganz kurzen dürren Worten passiert folgendes:

Man lädt die vielen Einzelbilder in die Software. Idealerweise hat man noch bestimmte Bilder für das Herausrechnen von störenden Merkmalen der Bilder gemacht (jeder Chip hat tote Pixel, ein sogenanntes Glühen, Fussel o.ä. sind im Strahlengang etc.).

Die Einzelbilder werden jetzt übereinandergelegt und mittels der genannten Bilder um die störende Informationen bereinigt. Hier werden dann auch gleich die Spuren der Satelliten, Sternschnuppen etc. entfernt.

Das war sehr kurz beschrieben und jeder Astrofotograf schüttelt sich gerade. Auch muss ich gestehen, dass sich mir manche Funktionen auch nach einem Jahr noch nicht 100%ig erschlossen haben. Es ist ein Hobby bei dem man ständig dazu lernt.