Entscheidungen und luschtige Dialekte

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Der Tag ist aus Fahrradsicht zuende und ich sitze in einem kleinen Biergarten im Innenhof eines alten, gemütlichen Bauernhauses … eigentlich entspricht es den Klischees, die man sich so über diese Gegend gebildet hat. An den Nachbartischen sitzen größere Gesellschaften und reden … was sie reden? Keine Ahnung … der Dialekt ist Schaffeschaffehäuslebaue nur noch einen Zacken schlimmer. Der Wirt selbst bringt es dann aber noch auf die Spitze, es ist eindeutig rauszuhören, dass er aus Polen kommt und dies mit dem hiesigen Dialekt vermischt; das ist echt ‘ne harte Nummer.
Es ist aber so ein Abend, den ich mir eher im Hochsommer vorstellen würde, es ist lauschig warm und am Horizont hört und sieht man Gewitter … und es ist jetzt der Zeitpunkt gekommen, an dem ich mich .. bei wem auch immer … für das tolle Wetter der letzten acht Tage bedanken möchte. Ich habe auf dem Rad keinen Regen erleben müssen, es war nie besonders kalt (bis auf ganz früh morgens) und an dem einzigen Regentag habe ich durch Zufall meinen Erholungs- bzw Krankheitstag eingelegt.
Und selbst jetzt ist mir das Wetter hold, der Himmel ist wieder strahlend blau und das Gewitter am Horizint zieht weiter nach Westen. Ich weiß, die Tour ist noch nicht zuende, aber das musste raus.

Ich vergaß, zu sagen, wo ich jetzt bin: Neuburg am Rhein … also die Rheinland-Pfalz-Seite des Rheins.

Das war so heute morgen nicht geplant. Bei dem miserablen Frühstück nach einer miserablen Nacht kam in mir der Wunsch auf, die Fahrt schnell zu beenden. Die Planung war also bis mindestens Rastatt zu kommen und dann am Montag in einem Gewaltakt Freiburg zu erreichen. Dienstag abend wäre dann Basel das Ziel gewesen, um Mittwochs die Heimreise anzutreten.

In dem Wald kurz vor Karlsruhe (Eintrag bei Facebook Middle of Nowhere) kam dann der Sinneswandel. Das Wetter war schön, der Wald war überwältigend und warum sollte ich jetzt das Ganze mit einem Krampf beenden?! Ich habe mich dann auf eine Parkbank gesetzt, das iPad rausgeholt und die Planung kurzfristig umgestellt. Dabei fiel mir Neuburg am Rhein auf; ein kleiner Ort, in Rheinland-Pfalz und dicht am Rhein und Frankreich.

BREAKING NEWS: Es regnet!

Ich bin dann über Karlsruhe und Rheinstetten am Rhein angekommen. Die letzten Meter war ich total euphorisch. Ich muss dazu kurz was schreiben. Als ich die Idee für diese Tour hatte, war ich ganz optimistisch bis naiv und ohne den blassen Schimmer, was das bedeuten würde. Je näher aber der erste Termin für eine solche Fahrt kam, desto größer wurden die Bedenken und als dann noch die Erkältung kam, war ich kurz davor, das Ding zu kippen. Am letzten Sonntag war der Rhein und das dazwischen kaum vorstellbar – fast abstrakt.

Der Rhein ist ein wichtiges Etappenziel für mich. Als ich auf die Fähre fuhr, musste ich schmunzeln, die ersten Meter seit acht Tagen ohne eigene Muskelkraft … fast schon ein Verrat.

Neuburg wird mir sehr positiv in Erinnerung bleiben, das Essen hier war toll, kann mich nicht erinnern, so ein leckeres und zartes Rumpsteak vorher gegegessen zu haben (und das für 13€), die Menschen hier sind sehr freundlich und das Hotel ist toll. Das Zimmer ist fast schon loungeartig und ich bin sehr gespannt, wie das Frühstück morgen sein wird.

Für morgen habe ich geplant, erst mal durch den französischen Teil zu fahren, um dann bei Strassbourg/Kehl wieder nach Baden-Württemberg zu kommen.

Gerade habe ich sehr lange mit meinen Tischnachbarn gesprochen. Die geplante Route (also durch Frankreich) soll perfekt sein. Man fährt die ganze Zeit durch die Rheinauen und Strassbourg soll sehr schön sein.

Ich habe sie auch nach dem Dialekt gefragt. Es ist eine Abart des Pfälzischen. Hier soll aber jedes Dorf seinen eigenen Dialekt haben und man versteht sich untereinander eher schlecht.

Euch allen eine gute Nacht!

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