Der rostige King und die beunruhigenden Spuren

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Der Titel für das beste Frühstück der Tour wird wahrscheinlich an das Garni Friedberg gehen. Tolle Auswahl, verschiedene Säfte, Joghurte, und und und. Normalerweise bekomme ich morgens so kurz nach dem Aufstehen nichts runter, aber mein Körper hat in den letzten Tag selbst zu solch unchristlichen Zeiten einen extremen Kalorienbedarf. Wenn ich wieder zuhause bin, muss ich aufpassen, dass ich nicht so weitermache.

Die Tour heute war anstrengender als ich gehofft hatte. Es waren wieder viele Höhenmeter und die Wärme (um die 27 Grad am Nachmittag) tat ihr übriges. Heute morgen hatte ich Weinheim als realistisches und Heidelberg als perfektes Ziel ausgemacht. Es ist am Ende Weinheim geworden. Es sind zwar höchstens 20km von hier nach Heidelberg, aber im letzten Anstieg nach Weinheim habe ich gemerkt, dass es keinen Sinn macht weiter zu fahren. Abseits der Straße habe ich mich an einer kleinen Böschung unter einen Baum gesetzt, und habe bei HRS nach einer Bleibe für die Nacht gesucht.

Und jetzt ist es Zeit, dass Tool der Tour zu küren … sie ist zwar noch nicht zuende, aber es ist klar, dass mein iPad der perfekte Begleiter für eine meine Fahrt ist.
Mittels der App Karten plane ich am Vorabend die Tour des nächsten Tages, ergeben sich kurzfristige Änderungen an der Streckenführung, hole ich das iPad kurz raus, es zeigt mir, wo ich gerade bin ( was im normalen Leben keine wirklich elementare Funktion ist, in einem Wald zwischen Kaff 1 und Kaff 2) und bietet mir gleich eine Möglichkeit, aus dem Schlamassel rauszukommen.
Eine bis dahin eher belächelte aber hier wichtige Funktion ist der Kompass. Was hilft es einem zu wissen, in welche Richtung man sich bewegen sollte, wenn man nicht weiß, in welche Richtung man gerade schaut. Der Kompass er erleichtert einem die Navigation, besonders dann, wenn man in einem Wald steht, wo die einzelnen Wege einer Kreuzung keinen Namen haben.
Die nächste App ist Goodreader … eine Software, mit der man PDF-Dokumente lesen kann. Meine Route mit wichtigen Informationen versehen, habe ich als PDF dabei.
Auch die App von HRS hat mir schon viel geholfen, sie zeugt mir die nächsten Hotels inklusive Bewertung und allen anderen relevanten Informationen.

Klar, ohne das iPad und die Apps ginge es auch, aber es macht es etwas leichter.

Heute bin ich im Hotel zum Grünen Baum untergekommen. Nicht vergleichbar mit dem Perfektionismus des Garni aber trotzdem sehr nett. Das Haus muss mal ein herrschaftliches Haus gewesen sein. Die Decken sind sehr hoch, mal gibt es ein bisschen Stuck, es wirkt alles sehr alt und traditionell. Was mich etwas stutzig macht sind verdächtige Spuren an der Tür zu meinem Zimmer (siehe Bild)

Zu dem Hotel gehört auch ein italienisches Restaurant, das ich empfehlen kann. Ich hatte “Variationen vom Fisch”, nicht ganz günstig aber extrem lecker … leider aber, wie jedes Abendessen bis jetzt, viel zu wenig. Dafür kann der Koch aber nichts 🙂 Bin bis jetzt jede Nacht mit einem kleinen Hunger ins Bett gegangen … aber mein Körper hat ja Reserven aus dem er sich bedienen kann und soll.

Die erste Woche geht jetzt zuende und es ist an Zeit ein kurzes Zwischenfazit zu ziehen. Als ich die Tour plante, war ich doch recht blauäugig. Einen Schnitt von 18 – 20km die Stunde ist völlig unrealistisch. Am ersten Tagnauf dem platten Land war das das noch umsetzbar, aber mit den Höhenmetern die Tage darauf und den zurückliegenden Kilometern in den Knochen wurden der Schnitt immer schlechter. Rechnet man die Pausen raus, komme ich auf einen Sdhnitt von 15km die Stunde. Nicht so dolle.

Was die Planung des “Equipment” betrifft, lag ich nicht schlecht; beim nächsten Mal kann es aber noch weniger sein. Ich hatte nicht einberechnet, dass man zwischendurch auch mal seine Klamotten waschen kann.

Bei der Freizeitplanung und eventueller “kleiner” Umwege, um sich irgendwas anzuschauen, war ich viel zu optimistisch. Nach 100km habe ich keine Lust mehr auf einen Berg raufzufahren, um mir ein Schloss anzuschauen. Mittlerweile habe ich die Planung, über Speyer zu fahren, verworfen. Das kostet mich fast einen halben Tag und soooo toll ist die Stadt nun auch nicht 😉 Auch die Schnappsidee von Freiburg statt nach Basel an den Bodensee zu fahren, habe ich verworfen. Klar ist es irgenwie schöner, die Tour am Ufer enden zu lassen als in irgendeiner Stadt, aber von Freiburg geht es durch den Schwarzwald Richtung Bodensee und das Mittelgebirge hat mich gelehrt, Höhenmeter zu respektieren.

Ziel der ganzen Aktion war es, von meiner Haustür nach Süden zu fahren, und zu sehen, was mich so erwartet und da bin ich voll im Soll!

So, es ist Samstag abend kurz vor neun und ich werde gleich totmüde einschlafen, für einen Samstag ein eher ungwöhnlicher Verlauf 😉

Gute Nacht alle zusammen!

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  1 comment for “Der rostige King und die beunruhigenden Spuren

  1. J.Riedel
    3. April 2011 at 08:03

    Hi, Mark!
    Ein sehr ausführlicher, interessanter Tagesbericht. Deine Bewertung von IPad und Co.
    solltest Du Apple senden, vielleicht ist dann das IPad2 drin ;-). Ich würde gerne den Blog
    im gesamten lesen oder muß man immer wieder neu am ersten Tag beginnen? Außerdem würde mich
    schon für die Arbeit mit Blogs interessieren (China,Tibet,Nepal), da wäre Dein Wissen für mich wertvoll.
    Die Spuren an der Tür weisen auf den Hunger der örtlichen ,weiblichen Jugend hin. Die wollen
    frisches Blut aus dem Norden!
    Bleibe gesund und liebe Grüße
    M.a.D.

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