A gut’n Tritt hast du

Es ist 19:27 und ich würde jetzt gerne ins Bett gehen; klar, wird der geneigte Leser sagen, dann geh‘ halt! Problem bei der ganzen Sache ist, dass ich dann um 4 Uhr schon wieder wach sein werde, und ich will mich jetzt nicht 4h auf das Frühstück vorbereiten. Ich bin heute abend ziemlich platt. Der Wecker klingelte heute wie die meisten Tage davor um 6 Uhr und dann begann das gewohnte Ritual. Duschen, Klamottentasche packen und dicht machen, die andere Taschen, Handy etc. noch mal an den Strom packen, in die Fahrradklamotten und runter zum Frühstück. Dies war für den Preis und die doch recht einfache Art des Hotels sehr gut. Ich kam mit einem Biker ins Gespräch, der aus Wuppertal kommend nach Freiburg fährt, einen Kumpel besucht, bevor es dann weiter an die französische Mittelmeerküste geht. Rentner können es so gut haben, besonders, wenn sie so fit und agil sind wie er.
Um 8:15 saß ich dann auf meinem Rad und es ging die Saar weiter gen Saarbrücken, die Schönheit von gestern erreichte der Abschnitt zwar nicht, aber es kam immer noch viele Ecken die sehr schön waren.

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Irgendwann setzte sich ein Radfahrer hinter mich und fuhr einige Kilometer in meinem Windschatten (genannt Lutscher). Ich hatte zu diesem Zeitpunkt ein gutes Tempo drauf (zwischen 22 und 25 KM/h), irgendwann überholte er mich; Rennrad, recht gut trainiert mit den Worten „A gut’n Tritt hast du, aber der Helm g’ört auf den Kopf“. Da es so warm war den Tag, hatte ich nur mein Kopftuch drauf und wollte den Helm erst wieder aufsetzen, wenn ich in eine Stadt komme, was zugegeben schwachsinnig ist. Man kann auch sehr gut in freier Wildbahn stürzen und der Kopf knackst dort genaus so schnell wie in der Stadt.
Gegen Mittag war ich in Saarbrücken und habe mir eine Waffel mit Eis und heißen Kirschen gegönnt, ich war so kaputt, dass ich erst mal eine Zeit brauchte, runterzukommen.
In dem Eiskaffee fing langsam die Planung an: Wie lange will ich heute noch fahren? Wie lange will ich eigentlich insgesamt noch fahren? Es ist heute der neunte Fahrradtag und ich hatte so mit 10 Tagen in der Vergangenheit immer gerechnet, der zehnte Fahrradtag wäre somit morgen und ich kam zu dem Schluss, dass dieser auch der letzte sein wird. Klar könnte ich noch weiterfahren, der Körper macht diese Radtour erstaunlich gut mit; ich habe keine Tiefs oder ähnliches und freue mich jeden Morgen aufs rad zu steigen und neue Landschaften kennenzulernen.
Auf der anderen Seite ist jeden Abend ein neues Hotel kennenzulernen und alleine im Gasthof zu sitzen etwas nervig. Und ich möchte unheimlich gerne wieder bei meiner Frau sein; und auf der Terrasse den Weber anschmeissen und in den Garten schauen 🙂
Ich habe den Gedanken die nächsten 40km durch den Kopf bewegt und irgendwann hielt ich an und reservierte den Zug. Am Samstag um 9 Uhr geht es von Bingen am Rhein los nach Hause.
Das bedeutete aber natürlich auch, dass ich noch ein paar Kilometer machen musste, damit ich die restliche Strecke am Freitag problemlos schaffe. Homburg fiel somit raus, das wären 112km, was grundsätzlich wunderbar geht, aber es wäre mir zu stressig. Leider ist die Hoteldichte in dieser Gegend mit einem Vakuum zu vergleichen. Das nächste Hotel laut hrs war dann auch erst in Kusel das Garni; von hier aus sind es nur noch 82km nach Bingen, dafür lagen noch einige Kilometer vor mir und dies mit der Wettervorhersage, dass es am späteren Nachmittag regen geben solle.
Am Ende gab es kein Regen und mit Fahrt auf den Hof vom Hotel hatte ich 128km auf der Uhr, was noch im guten Bereich liegt, auch wenn es doch einige Aufstiege gab und mir die Kilometer der letzten Tage in den Beinen stecken.
Das Hotel ist zweckmäßig und gut; nebenan ist ein Italiener, bei ich gerade eine Pizza gegessen habe.
Jetzt ist es 19:53 und ich meine, dass man jetzt ja wohl ins Bett gehen kann 😉

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