Ende Neu

So oder so ähnlich fühlte ich mich, als ich die letzte Meter zum See rollte. Die Strecke hat ein Ende und ich bin schon auf Recherche, welche Strecke ich vom Königssee das nächste Mal dann weiter nehme. Aber keine Angst, ich werde euch über Monate nicht mehr mit Reisenberichten behelligen. Zum einen ist so eine Tour ganz schön teuer, zum anderen verbrate ich auch immer diverse Urluabstage, die ich ja eigentlich viel lieber mit meiner Regierung verbringen würde. So eine Tour sind immer um die achte Tage Jahresurlaub, und diese gehlen uns dann für einen gemeinsamen Urlaub.

Das Hotel in Bad Reichenhall war sehr schön. Ich habe wie ein Stein geschlafen, und fühlte mich morgens fit und fast schon übermütig. Das Frühstück gehörte zu den besten auf der Tour und ich habe es lang und ausgedehnt genossen.

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Gegen 9 Uhr ging es dann Richtung Berchtesgaden, und ich musste sehr schnell festestellen, dass die letzten ca. 25km noch mal eine Herausforderung werden. Es ging steil hinauf, die Temperaturen stiegen sehr schnell und die Nacht vorher hatte etwas geregnet, so dass die Luft feucht-schwül war. Bei den starken Anstiegen im Wald setzten sich Myriaden von Mücken auf meine Arme, Beine und Kopf und zerstachen mich. Man kann sich in solchen Situationen auch kaum wehren.

Bischofswiesen und Berchtesgaden habe ich schnell hinter mir gelassen, besonders letzeres war vollkommen überlaufen und die Strecke ging durchgängig über viel befahrene Straßen. Am Königssee angekommen, musste ich die letzten Meter schieben, so voll war die kleine Straße zum See runter. Am See angekommen, habe ich meine Schuhe und Strümpfe ausgezogen und mich auf den Steg gesetzt und die Füße in den kalten See getaucht.

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Ich kam etwas später mit einem Hamburger Ehepaar ins Gespräch, die es klasse fanden, hier jemanden mit einem Pauli-Trikot anzutreffen und sie machten einige Bilder von mir am See. er hatte eine recht professionelle Kamera, und die ersten Bilder, die er mir gleich heute zugeschickt hat, sind klasse.

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Da ich bis zur Abfahrt noch über vier Stunden Zeit hatte, lieh ich mir ein Ruderboot und fuhr auf den See hinaus, machte an einem ruhigen Ufer fest und döste in bisschen.

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Dann ging es in die Mitte des Sees von wo man das Kloster sehen konnte. Zurückgekommen habe ich in einem Biergarten mein geliebtes Kasbrot gegegessen und zur Abwechslung mal ein richtiges Weizen tagsüber getrunken. Gegen 14 Uhr ging es dann wieder zurück nach Berchtesgaden, wo ich dann eine Zug früher nahm als geplant. Die Fahrt ging eigentlich fast haargenau an meiner Fahrradstrecke entlang, bog dann aber ab richtung Freilassing. Der Zug hielt an jeder Milchkanne und an jedem umbeschrankten Übergang wurde er langsamer und hupte diverse Male … un von denen gab es einige. Ich kam mit einem Pärchen ins Gespräch die auch gerade eine mehrtägige Radtour hinter sich hatten.
In Freilassing nahm ich dann den Regionalzug nach München, der brauchte geschlage zwei Stunden (momentan ist dort eine große Baustelle, so dass die Züge zum Teil sehr lange an den Bahnstationen warten müssen. Ich hatte das „Glück“ in einem Abteil zu sitzen, in das eine Station nach meiner eine 3.Klasse einstieg. In den nächsten 1:45h wäre ich lieber die fiesesten Anstiege hochgefahren, als dort zu sitzen. Ich holte mein iPad hervor und wollte einen Film gucken (dazu muss man sagen, dass ich in den letzten Tagen nie Musik gehört oder Fernsehen geschaut habe) … und was war? Es war anscheinend kaputt. Morgens funktionierte es noch, jetzt nicht mehr. Dreck!

In München hatte ich jetzt einen mehr als dreistündigen Aufenthalt. Und da kam wieder die Krux der letzten Tage hervor, man ist doch mit dem Rad und der sperrigen Taschen sehr beschränkt, wenn man mal weg vom Fahrrad will. Ich habe dann das Fahrrad vorm Bahnhof abgestellt, angeschlossen und die Taschen in die Gepäckaufbewahrung gegeben.

Beim Schlendern durch das Dorf fiel mir ein, dass es hier ja den ersten Apple-Store Deutschlands gibt, und ich könnte jetzt deren Unterstützung gebrauchen. Ich suchte also den Laden und betrat ihn:

Ich: Moin, ich habe gleich eine lange Nachtzugfahrt vor mir, und mein iPad hat gerade den Geist aufgegeben. Kannst du mal bitte nachschauen, ob man es wieder zum Leben erwecken kann

Er: Klar, ich habe da magische Hände und einem Hamburger helfe ich doch gerne.

Ich: Haha (denkend: Was für ein Honk)

Er: Zumal wir euch ja gerade im Audi-Cup geschlagen haben.

Ich (auf das Vereinslogo auf meinem Trikot zeigen): Dir ist schon bewusst, dass ihr den anderen Hamburger Verein geschlagen habt, oder?

Er: Haha (hüstel), ja dann wollen wir mal.

Der Honk hat jedenfalls mein iPad wieder zum Leben erweckt; richtig erklären, warum es tot war, konnte er nicht. Die Jugend von heute halt 😉 er hat den Anschalter und den Homebutton gleichzeitig lange gedrückt und schwupps nach zehn-zwanzig Sekunden war es wieder da. Ich habe mich artig bedankt und bummelte weiter durch das Dorf. Eine Stunde vor Abfahrt war ich dann wieder am Hauptbahnhof, habe die letzten Minuten des Bayernspiels und die ersten des Spiels Schweden Deutschland geschaut und einen Happen gegessen.

Um 22:15 fuhr dann der Nachtzug los. Der Fahrradabschnitt war extrem klein und wir mussten logitsische Allianzen bilden, wer wo wann aussteigt, damit die die zuerst aussteigen ihr Rad nicht ganz unten haben. Nach dem das nun geklärt war, ging es in mein Schlafabteil. Dort wartete die nächste Geschichte des Abends. Seinen Namen weiß ich leider nicht, aber der bis dato einzige in unserem Sechser-Abteil hatte eine längere Odyssey hinter sich. Er hatte seine Freundin in London besucht, und da er nicht gerne fliegt, ist er dann mit einem Bummelzug, dagegen war meiner ein Hochgeschwindigkeitszug, zur nächsten Haltestelle für den Eurostar (der fährt unter dem Ärmelkanal durch) gefahren, der Eurostar fuhr nach Brügge … ach ja, ich vergaß zu erwähnen, dass er Wiener ist und wieder nach Hause wollte. Von Brügge aus ist er mit einem ICE nach Frankfurt gefahren, dieser hatte unterwegs einen Schaden und so kam er zu spät für seine Folgezug. Er hat dann den nächsten Richtung Augsburg genommen, und von dort nach München. Da an diesem Abend von München keiner mehr nach Wien fuhr hat er … was ja auch nur folgerichtig ist … den Nachtzug nach Hamburg genommen. Von dor fährt er heute abend (so Gott will) mit dem Nachtzug nach Wien. Er hat ein Interrail-Ticket mit dem er wohl, ich habe es nicht ganz verstanden, in einer bestimmten Zeit alle Züge nehmen darf, oder so ähnlich.

Und als sei der Abend nicht schon skuril genug gewesen, kam dann der Schaffner, knippste die Karten ab und meinte zu mir „Und wir beide haben jetzt ein Problem“

Ich „Aha?“

Er „Haben sie schon mal auf das Datum der Fahrkarte geguckt?“

Ich „Öh nö nicht wirklich“

Er „Da steht 25.07. und welchen haben wir heute?“

Ich „Wenn Sie das so schon andeuten anscheinend nicht den 25.?“

Er „Richtig“

Ich „Ich habe bei dem Herren in Prien am Chiemsee ganz klar den Mittwoch abend als Rückfahrtermin genannt“

Er „Na gut, dann legen Sie sich da unten einfach hin, hier ist noch Platz im Abteil“

Ich war jetzt gerade im Demutsmodus als er die anderen Karten aus meinem Bündel abknipsen wollte und er auf den anderen immer nur den 24.7. fand.

Er „Äh, das ist ja merkwürdig“

Ich (Ironiemodus) „Spannend“

Also, die eigentlich Fahrkarte ist für den 25.7. Die Reservierung für das Schlafabteil und die Fahrradkarte sind für den 24.7. Ich erwähnte schon, dass ich momentan auf Kriegsfuß mit der Bahn stehe, oder?

Er entschuldigte sich und verschwand.

In Augsburg stiegen ein Vater und seine Tochte dazu. Er meinte, er müsse seine Tochter nach Hamburg zu „ihrer Mutter“ bringen und dann weiter nach Berlin. Er sei auch gerade ein bisschen wohnungslos.

Gegen 1 Uhr waren dann alle eingeschlafen. Als ich heute morgen aufwachte begrüßte mich eine dicke Nebelsuppe draußen. Der Zug fuhr über Buchholz nach Harburg und hatte eine leichte Verspätung, die es unmöglich gemacht hätte den Metronom in Harburg zu bekommen. Perverserweise hatte er bis Bahnhof Klecken noch keine Verspätung, dort hielt er aber für zehn Minuten, und ich war eine Handbreit von meiner Heimat entfernt aber konnte logischerweise nicht aussteigen. In Harburg kamen wir gerade an, als der Metronom auf dem Nachbargleis wegfuhr.

Ich bin dann die letzten 15km mit dem Rad nach Hause gefahren; das hat den Kohl nun auch nicht fett gemacht 🙂

Ende

Hier findet ihr die Daten von der Radtour