Nur teilweise erfolgreich und Mordor

Langsam verschwimmt alles, jeden Tag das gleiche Prozedere, aufwachen, duschen, frühstücken, Fahrradtaschen packen, Fahrrad fertig machen, Garmin anschalten und los. Aber wo ich heute morgen war … da muss ich länger drüber nachdenken … ach ja Rohrdorf! Heute morgen um 8:30 ging es von dort aus los, erst auf dem eigentlichen Fahrradweg, dann musste ich aber gen Prien abbiegen, damit ich bei einem Bahnbeamten eine Aussage über meine Rückfahrmöglichkeiten bekomme … online und am Telefon waren sie dazu nicht in der Lage (WIllkommen im 21.Jahrhundert).
Also ab nach Prien (15km Unweg und über die Höhenmeter will ich an dieser Stelle nichts sagen) und im beschaulichen DB-„Centrum“ Schlange stehen (ich gebe mal einen Tipp ab, wenn der Kerl nächstes Jahr in Rente geht, wird es eingestellt; was aber auch irgendwie traurig ist). Endlich an der Reihe kam ich an Herrn Graf von Moltke (Dad, du weisst, was ich damit meine). Er tippelte in seinen Rechner und nach einer gefühlten Ewigkeit meinte er (sehr leise) „Voll“. Mein Plan B: Am MIttwoch um 18:50 von Berchtesgaden nach München und dort mit dem Nachtzug … „Voll“ … in diesem Fall scheiterte es an dem Zubringerzug. Nach einer kleinen Feinjustage fand er die Option: Berchtesgaden ab 16.50 Mailand an 19:00, Rom an 02:00, Bern an 09:00, Karlsruhe an 16:00, Hamburg an 23:00 … ok das ist übertrieben, aber allzu weit von der Realität ist es nicht. Ich starte morgen um 16:50 in Berchtesgaden und nach gefühlt tausend Umstiegen komme ich am nächsten Morgen um 7 Uhr etwas in Harburg an, über die 10km mit dem Rad nach Hause kann ich aktuell nur schmunzeln. Mir graust jetzt schon vor der „Nacht“; ein Vier-Bett-Abteil war nicht mehr frei, es wird also ein Sechs-Bett-Abteil. An dieser Stelle sei gesagt, dass ich lieber 150km-Extrem-Allgäu-Radfahren mache, als eine Nacht im Viehtransport der Deutschen Bundesbahn über mich ergehen lasse.
Ok schließen wir das (vorerst) das Thema Rückreise.

Ich versuchte dann wieder auf den Radweg zu kommen, was sic in Bernau als sehr schwer erwies. Wäre ich nach einem netten Geschäftsmann, der gerade um 10:30 seinen wohlverdienten MIttagsschlaf in einer kleiner Seitenstraße hielt, gefahren, wäre ich jetzt nicht Jugend-Hipster-Ort Bad Reichenhall sondern in den französischen Alpen. Irgendwann Garmin und Gesunder-Menschenverstand sei Dank fand ich den Weg.
Es ging dann über die „Orte“ Rottau, Grassau nach Bergen, wo ich eine Mittagspause einlegte. Das Essen sei hier mal dezent verschwiegen, aber der Kellnerwar weltklasse. Am Nachbartisch setzten sich zwei ältere Damen (Ü80) hin und er kam zu ihnen und meinte „Grüß euch Mädels, was solls nach der Schule heute geben“ Die beide Damen kicherten und so ging es weiter Ich musste ständig kichern. Er hatte sichtlch Spaß an seiner Arbeit.

Von Bergen ging es dan über das weltbekannte Siegsdorf immer an der Traun entlang nach Traunstein. DIe Strecke war superschön und immer seicht nach oben gehend.

An dieser Stelle mal ein kleiner Ausflug in meine Gedankenwelt auf dem Rad. Ich habe vor mir das bikeline-Buch zum Bodensee-Königssee-Radweg und so langsam weiß ich jede Linie und Eintragung zu interpretieren. Eine Karte (horizontal) bedeutet schon mal, dass es lang wird. Strafverschärfend sind dann noch solche Auszüge, wo die Strecke von oben nach unten oder umgegekehrt geht und dann scharf horizontal abbiegt. Das sind dann immer mindestens 15km. Und wenn dann noch diverse > oder < (besonders fett markiert) hinzukommen, weiß ich, dass der Kartenabschnitt länger dauern wird. Vormittags ist das kein Problem, da macht das viel Spaß, aber gegen 15-16 Uhr be 35 Grad ist der Spaßfaktor geringer. Jetzt kamen also zwei solcher Blätter, und sie zogen sich. Leider ist der Fahrradweg an einigen Stellen schlecht bis gar nicht ausgezeichnet, so dass ich frohen mutes ein paar hundert Meter den Hügel scharf runterfuhr, nur um unten festzustellen, dass ich gleich wieder hoch darf; so geschen in Anger; der Name war am Ende sinnbildlich. Schlussendlich kam ich in Piding an, wo ich einen Erdbeerbecher verdrückte und nach einer Übernachtungsmöglichkeit in Piding oder Bad Reihenhall suchte. Meine Wahlfiel auf das Almrausch in Bad Reichenhall. Und es hat sich gelohnt. Sehr hübsches Zimmer, recht zentral und für 64€ kann man nichts sagen. Ich bin dann nach der Dusche in den Ort gegangen ... und ich will über den Seniorenort nichts weiter sagen, nur dass das Schwabenstüberl total nett ist. Eine riesige Brotzei und urige Atmosphäre, wo ich sehr schnell in Kontakt mit anderen kam. Vielen Dank für diesen wunderschönen Tag! Ach ja, warum die Überschriften: Teilweise erfolgreich wird die Tour sein, weil ein Nebenziel die Gewichtsabnahme war, die werde ich wohl nicht schaffen, dafür ist das alles hier zu lecker :-). Aber es war, wenn überhaupt, nur ein Tertiärziel. Und Mordor ... naja gegen nachmittag sah ich in der Ferne mein Ziel, und es erinnert an Frodo, der eigentlich nur ankommen möchte. Morgen sind es noh 30km, diese aber steilbergauf. Ich werde sie genießen, jeden einzelnen KM. 20130723-220740.jpg

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