Elend, Öd und Riedl und wie ich die Bahn zu hassen begann

Two in an row, just three to go … ja, auch diese Nacht (die zweite hintereinander) war sehr gut (Limptar sei Dank). Das Frühstück im Vergleich zum gestrigen nicht so, aber man kann ja nicht alles haben. Als ich das Fahrrad bepackte, kam ich mit dem Hotelbesitzer ins Gespräch. Ich erzählte ihm von der Misere, dass es noch 210km seien, und dies für zwei Tage in den Voralpen zuviel aber für drei Tage eher zu wenig sei. “Spring in die Seen, setz die niedr in die Biergärten und trink paa Maaas” so oder so ähnlich war seine Antwort. Und so bin ich dann auch den Tag angegangen (bis auf das Bier).
Heute standen zwei Teilabschnitte an, vor denen es mich schon etwas gegrault hat. Diese waren in meinen Planungen rot markiert. So war die Strecke von Bad Tölz zum Tegernsee und dann weiter zum Schliersee eine anspruchsvolle Route und gerade diese beiden Teilstrecken standen als erstes an … und das war auch gut so. Sie haben total viel Spaß gemacht. Es waren bis zum Mittag ruhige und wunderschöne Stunden und die Höhenmeter taten gut. Klar gab es wieder Abschnitte mit 15 und mehr Prozent Steigung aber Jochen schrieb heute morgen “Schmerz ist eine andere Form von Motivation” und das stimmt in solchen Momenten. Es hat mir viel Spaß gemacht, an die Grenzen ranzugehen. Es mag sich schwafelig anhören, aber das Überwinden von diversen Höhenmetern in so einer Natur und Ruhe hat was meditatives.

Am Tegernsee habe ich dann eine kleine Pause gemacht und bin in den See gesprungen. Vor so einer Kulisse ist das schon was besonderes. Danach ging es dann Richtung Schliersee, wo ich dann den für meine Touren obligatorischen Sturz hatte. Hört sich jetzt wilder an, als es war. Die Strecke war an dieser Stelle sehr uneben (Kiesel, etc) und ich musste wenden, das Vorderrad verkantete und ich kippte um. Der Schock war in diesem Moment größer als der eigentliche Schmerz. Es fühlt sich gerade noch so an, als hätte man sich auf einem Grantplatz lang gemacht. Zum Glück hatte ich mir am Morgen Bepanthen geholt. Wirkt wahre Wunder.

Kurze Zeit später habe ich dann Brotzeit gemacht und danach fing die harte Zit an. Ich kann das bei mir sehr gut beobachten. Morgens bin ich extrem fit, Höhenmeter werden ohne Probleme überwunden und ich mache Meter; nach der MIttagspause verkehrt sich das. Die Motivation sinkt und die Oberschenkel werden schlaffer.
Dazu muss man aber auch sagen, dass ich gerade eine sehr gute aber auch schlechte Wetterlage erwischt habe. Es ist trocken und der Himmel ist blau, aber der Wind kommt durchgehend von Ost (also immer von vorne und sehr böig) und die Temperaturen steigen nachmittags auf 35-37 Grad. Ich kann gar nicht soviel gegenan trinken, wie ich ausschwitze. Ich habe heute drei Mal meine Trinkblase im Rucksack mit jeweils ca. 2l nachgefüllt, das sind also 8l Wasser von 8:30 bis 17.30 Uhr. Ich war aber kein Mal auf Toilette; der Körper schwitzt das einfach aus; dazu kamen das alkoholfreie Weizen beim Mittag und die superleckere Molke bei edeka. Und auch das lerne ich gerade: Nur Wasser trinken ist auch scheiße.

In Elbach, beim Wasserauffüllen, dachte ich, ich hätte eine Erscheinung. Ich war gerade am Brunnen als ich über mir ein “Hallo” hörte. Unwillkürlich suchte ich nach Personen auf einem Balkon o.ä. und es kam wieder ein “Hallo”, ein alter Mann, der gerade an mir vorbeikam und meine Irritation bemerkte, zeigte mit einem “Wieder so ein Wahnsinniger” nach oben, keine zehn Meter über mir schwebte ein Gleitchirmspringer rein. Die starten hier von den Bergwiesen und schweben ins Tal … würde ich auch gerne machen.

Als ich in Neubeuern ankam, suchte ich nach einer Unterkunft, aber wo ich an der Tür klingelte oder anrief, alles war belegt, ich bin dann im Hotel zur Post in Rohrdorf untergekommen. Ziemlich teuer, aber ein sehr schönes Hotel.

Bevor ich Duschen ging (der absolute Genuss des Tages), buchte ich ein Hotel für Mittwoch abend in Berchtesgaden und wollte den Zug für Donnerstag morgen klar machen. Leider will die Deutsche Bundesbahn (so wie der Name stellt sie sich mir gerade dar) mich nicht als Kunden haben. Sämtliche Betsellvorgänge online wurden mit komischen Fehlermeldungen abgebrochen. Und auch am Telefon machte die Behörde keinen guten Eindruck. Die Dame in der Tickethotline war bemüht aber hilflos, sie wollte mich an die Fahrradzentrale weiterleiten, ich landete bei der Autozugzentrale, und als ich schlussendlich bei dem Fahrradspezialisten ankam, konnte dieser mir nicht weitrhelfen und verwies mich an das nächste DB-Zentrum, was sich für mich (in the middle of nowhere) schon zynisch anhörte.
Ich werde morgen also den kleinen Umweg über Prien am Chiemsee machen und dort sehr wahrscheinlich erfahren, dass alle Fahrradplätze in dem Zug ausgebucht sind (so die Vermutung des bemühten Beamten der Deutschen Bundesbahn). Dann fängt Plan B an … den ich noch nicht habe; aber wahrscheinlich läuft es darauf hinaus, dass ich am MIttwoch abend um 18 Uhr den Zug nach Freilassing nehmen muss, der mich zu dem Zug nach München bringt, der mich dann mit dem gehassten Nachtzug nach Hannover bringt, von wo ich dann den IC nach Hamburg nehmen kann.

ICH HASSE DIE BAHN!!!!!!!!!!

Das Zimmer in Berchtesgaden habe ich schon mal vorsorglich storniert.

Zur Strecke heute, es waren um die 85km und einige Höhenmeter.

P.S.: ach ja, und die bis hierhin gelesen haben (Danke!), und sich immer noch fragen, was ich mit dem einen Teil der Überschrift meinte; Elend, Öd und Riedl sind kleine Orte auf meiner Strecke heute gewesen und ich weiß nicht, wie sie zu diesen unberechtigten Namen gekommen sind.

Ich bin platt aber totz aller Widrigkeiten glücklich!

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  2 comments for “Elend, Öd und Riedl und wie ich die Bahn zu hassen begann

  1. Rainer
    23. Juli 2013 at 09:59

    Guten Morgen lieber Mark! Mei, hoscht du mit dem Wetter a Glick! Bei Regen hättest du von dem Panorama rechts neben dir nur träumen können. Und das du dich in K.L. (Kette links) auf dieser Tour verlieben würdest, war wir klar. Aber diese Erfahrungen mit Land und Leut´ wirst du aufsaugen und damit gestärkt in die Dataport-Welt zurückkehren. Und dieses Ausdauertrainig macht dich für den Winter fit.
    Das du nachmittags immer weniger Kraft hast, ist doch normal. In Hamburg ist ja auch Sommer und bei meinen täglichen Radtouren habe ich nachmittags auch ´mal Probleme und denke dann an dich. Lass dir immer noch eine kleine Reserve und schmeiß´ dich auch einfach ´mal in den Schattten, wenn die Motivation unten ist. Ich lese dann Kluftinger, ist ein Kult-Kommissar aus Memmingen und bin dann bald wieder obenauf. Das neue Buch “Herzblut” spielt im Allgäu und ich kann es dir empfehlen.
    Jetzt wünsche ich dir einen wunderschönen Tag mit Ausblicken, die dir das Herz übergehen lassen und noch viele interessante Gespräche und Begegnungen.
    Deine Hamburger Rainer und Brigitte

  2. Jochen R.
    23. Juli 2013 at 11:45

    Wie immer kurzweilig und heiter zu lesen. Das ist Prosa eines Nordlichtes im Süden.
    Bis bald! D.

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