Übergewicht am Berg und Turteltäubchen an der Hotelbar

Mit dem Bergtrikot wird es in diesem Leben wohl nichts mehr.

Heute stand die erste reine Allgäuetappe an und die hatte es in sich. Gleich hinter dem Hotel wurde mir von dem Radführer ein Aufstieg mit einem extrem fetten > angezeigt … mittlerweile weiß ich dieses Zeichen einzuschätzen. Es ging über mehrere hundert Meter mit 12-16% Steigung zu dem nächsten Ort hoch.
Gleich vorweg: Ich bin mittlerweile ganz dicke mit dem kleinen Kettenblatt vorne; ein Blatt was bis dato quasi jungfräulich war!

Der Weg schlängelte sich dann mehrere Kilometer von 650 auf 1000m hoch. Zwischendurch gab es ein paar trügerische Abfahrten … aber genießen kann ich die nicht mehr, da ich weiß, dass diese mit der doppelten Intensität an Aufstieg bestraft werden.
Kurz hinter Haag erreichte ich dann den höchsten Punkt des Bodensee-Königssee-Radweg. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich schon einen ständigen Begleiter … unter Fahrradfahrern Lutscher genannt. Er war genau hinter mir und fuhr in meinem Windschatten … ach ja … ich vergaß zu erzählen, dass ich die gesamte Zeit Gegenwind hatte. Ich hielt irgedwann und ließ ihn an mir vobeiziehen.
In Kranzegg habe ich dann MIttagspause gemacht. Es gab ein dickes Brot mit viel Bergkäse, dazu eine eingelegte Gurge und Salat. Es hat soooo lecker geschmeckt! Am Nachbartisch saßen ein paar Leute und spielten auf der Quetsche.
Es folgten ein paar Seen und massive Anstiege. Die Landschaft hier ist unglaublich schön. Grüne Berge, eisblaue Seen, Kühe auf grünen Wiesen und das auch noch bei perfektem Wetter.

In Nesselwang hatte ich den extremen Bedarf nach einer weiteren Pause. In einem kleinen schattigen Biergarten habe ich ein Stück Kuchen und Kaffee zu mir genommen … an dieser Stelle möchte ich kurz betonen, dass dies mein erster Kuchen war … nur so für die Leute, die immer behaupten, dass ich solche Touren nur wegen des Kuchens mache.

Kurze Zeit später brach ich auf und bog in den Fahrradweg ein … dort traf ich meinen “Schatten”. Wir kamen ins Gespräch und fuhren bis nach Füssen zusammen. Christian kommt aus München und fährt auch den Radweg. Normalerweise fährt er mit seinem Sohn, der hat aber noch Schule und außerdem wäre der Radweg hier wohl ein bisschen zu heftig für ihn.
Laut Radführer sollte der Radweg durchschnittlich eher runtergehen, aber das schützte uns nicht vor einigen superheftigen Anstiegen mit zum Teil 16%. Es hat gut getan, dass wir die Strecke zu zweit gefahren sind, alleine wäre ich an der einen Stelle mit großer Wahrscheinlichkeit abgestiegen.
Wir hatten eine tolle Fahrt bis Füssen, haben uns über Gott und die Welt unterhalten und ich habe einen sehr guten Tipp für solche Touren bekommen: Nüsse sind perfekte Energiespender. Zudem erklärte er, dass solche Bergetappen perfekte Fettverbrenner sind. Bei den Anstiegen werden die Oberschenkelmuskeln extrem in Anspruch genommen und diese sind die größten Muskeln im Körper.
Letztere Weisheit hilft mir für diese Tour jetzt nicht mehr weiter. Ich habe definitiv einige Kilo zuviel drauf und dies macht sich am Berg extrem bemerkbar.

In Füssen trennten sich unsere Wege (erst dann haben wir uns namentlich vorgestellt), er fuhr weiter zum lokalen Zeltplatz (an dieser Stelle meinen absoluten Respekt; er ist zwar erst 20km nach mir auf die Strecke gegangen, aber nach 80km hätte ich keinen Bock mehr auf Zelten)

Ich bin dann Richtung Neuschwanstein gefahren … wobei dies in in Füssen ein Problem ist, denn das Schloss ist nicht als solches ausgezeichnet. In Füssen bin ich bei 800m losgefahren, und es ging steil hoch, nach 180 Höhenmeter war ich dann beim Schloss und ab da musste ich leider bis zur Mariabrücke schieben. Zugeben das Schloss ist Kitsch pur, aber der Blick von der Brücke runter ist toll.

Auf einem bis 23% Abstieg durch einen Wald mit Schotterpiste ging es dann wieder runter und ab zum Foggensee auf der Suche nach einer Übernachtungsmöglichkeit … welche sich heite sehr schwer herausstellte. In Waltenhofen bin ich dann gegen 19 Uhr fündig geworden. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich schon so einen leichten Hungerast und Sonne hatte auch ihr übriges getan. Das Zimmer ist teuer aber es ist sehr schön. Am Foggensee habe ich dann in einem Gasthof direkt am Wasser sehr sehr gut gegegessen und sitze jetzt an der Hotelbar. Hinter mir sitzt ein junges Pärchen und turtelt die ganze Zeit auf deutsch und englisch. Sehr anstrengend. Zumal die Musikanlage der Bar defekt ist, jedes Lied was angespielt wird, läuft in einer 30sekündigen Schleife … aktuell ist es Modern Talking … kein wirklich schöner Abschluss des Tages.

Gute Nacht!

Ach ja, kurz zu den Daten:

Anstieg gesamt: 1180m
Stecke: 105km

Danke für diesen schönen Tag!

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  1 comment for “Übergewicht am Berg und Turteltäubchen an der Hotelbar

  1. Jochen R.
    21. Juli 2013 at 16:34

    Die Tagesberichte gefallen mir sehr gut. Viele Infos und auch Heiteres. Schöne wäre zum Abschluß eine kleine Wegkarte.
    Übrigens das neue Google Maps hat für einen Fahrradfahrer 1Tag,,7 Stunden und 19 Minuten errechnet. Also,zeig Leben.

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