Wo es rauf geht …

… geht es im Allgäu nicht runter. So jedenfalls das Fazit des heutigen Tages.

Aber der Reihe nach.

Heute morgen – nach einer eher besch****nen Nacht und einem durchwachsenen Frühstück – ging es von Gailingen aus los. Es dauerte eine 3/4 Stunde bis ich den richtigen Fahrradweg fand, was schon sehr nervig war. Ich habe mich dann notgedrungen für die deutsche Seite (Nordseite) des Rheins entschieden … wobei man das hier nicht so genau sagen kann. Die Grenzen sind extrem fließend.
In Stein am Rhein (Beginn des Bodensees) wechselte ich die Seite und bis Kreuzlingen/Konstanz blieb ich auch dort. In Konstanz habe ich mir spontan den Luxus gegönnt und bin mit dem Katamaran bis nach Friedrichshafen gefahren. Von dort ging es die ganze Zeit am Bodensee entlang; mit einem Zwischenstopp in einem Biergarten bei Kressborn.
Hier muss ich kurz erläutern, dass ich den Tag über auf alkoholische Getränke verzichte; auch wenn das Weizenbier bei der Wärme verlockt, so würde ich dies sofort in den Beinen spüren.
In dem Biergarten gab es ein Schnitzel und Pommes, dazu ein alkoholfreies Weizenbier. Mittendrin saß ein älterer Mann und spielte bayrisches Liedgut auf seine Quetsche. Klischee in Reinkultur.
Relativ schnell ging es dann auf die letzte Bodensee-Etappe. Kurz vor Lindau gab es einen kleinen Park, in dem ich eine Pause gemacht habe. Ich bin dort 100m oder mehr in den See reingegangen, ohne dass ich oberhalb der Knie nass wurde. In unmittelbarerer Nähe schwommen große Fische und das Wasser war angenehm kühl.
In Lindau bin ich auf die Insel gefahren, habe mich ein bisschen an den Hafen gesetzt und gedöst.

Dann fing der Bodensee-Königsee-Radweg an. Und er fing gleich zünftig an, 10-12% Steigungen waren nicht selten.
Unter Fahrradfahrern gibt es immer den Spruch „Wo es rauf geht, geht es auch runter“ quasi als Aufmunterung, das war hier definitiv nicht der Fall. Es ging gefühlt fast nur hoch. Es fing bei ungefähr 400m in Lindau an und endete in Röthbach bei 670m, zwischendurch gab es ein paar An- und Abstiege, so dass ich bei den zurückgelegten 30km von mind 460m Aufstieg ausgehe. Für einen Flachländer, dessen tägliche 26km von der Arbeit nach Hause 120 Höhenmeter bedeuten, ist das doch eine andere Nummer … und es macht mir auch ein bisschen Angst. In Muthen wurde ich zur Uschi … ich stieg ab und schob. Die Steigung war pervers. Zum Glück waren es nur 100m, aber jeder Meter tat noch mehr weh …

Im weiteren Verlauf habe ich mich leider auch noch zweimal verfahren, und eine Bahnüberführung (500m vor Ziel) war gesperrt, so dass ich 3km Umweg fahren musste. Was am Ende des Tages sehr demoralisierend wirken kann, zumal die 3km wieder ein paar gefühlte Bergwertungen beinhalteten.

Egal, ich bin am Ende des Tages angekommen, habe ein sehr netten Gasthof erwischt und sitze jetzt bei einem Weizen im Biergarten, links neben mir die Dorfkirche, rechts ein uralter Baum und genieße den lauen Sommerabend. Es gab heute abend einen „Männersalat“ (so die Karte): Ein Rumpsteak 250gr und dazu Salate der Saison. Total lecker.

(Für das interne Protokoll: Ich habe in den letzten zwei Tagen ein Loch im Gürtel erkämpft (naja, ich war immer zwischen dem einen und dem jetzigen, ABER den jetzigen habe ich jetzt souverän